Meine Philosophie

Hi! Auf dieser Seite möchte ich ein paar ganz persönliche Worte an dich richten.

Es ist nicht besonders üblich, als Zauberkünstler solch eine Seite zu veröffentlichen, auf der es um persönliche Haltung, gesellschaftliche Verantwortung und das eigene Verständnis von Kunst geht. Ich finde aber, dass Menschen, die mich buchen oder meine Arbeit verfolgen, wissen dürfen, wofür ich stehe. Deshalb bekommst du hier einen tieferen Einblick in meine Arbeitsweise und in die Werte, die mir wichtig sind, auf der Bühne, nah an den Zuschauerinnen und Zuschauern und auch ganz generell.

Einige dieser Werte sind natürlich politisch. Sie sind aber nicht parteipolitisch. Ich gehöre keiner Partei an und meine Shows sind keine politischen Veranstaltungen. Ich möchte niemanden bekehren, niemandem vorschreiben, was er oder sie zu denken hat, und auf keinen Fall eine Zaubershow in eine politische Grundsatzrede verwandeln. Ich möchte Unterhalten. Gleichzeitig sehe ich auch keinen guten Grund, meine eigene Haltung zu verstecken.

 

Kraft der Zauberei

Mein Management hat einen ziemlich guten Zwei-Wort-Slogan gefunden: Magie verbindet. Das beschreibt für mich eine der größten Kräfte guter Zauberkunst. Denn mal ehrlich: Wie häufig kommt man im normalen Alltag noch in eine Situation, in der man auch als vollkommen erwachsener und gestandener Mensch für einen kurzen Moment die Welt nicht versteht? In dem man gemeinsam rätselt, lacht und vielleicht sogar für ein paar Sekunden mal wieder kindlich staunt?

Diese Emotionen sind immens stark. Bei Veranstaltungen erlebe ich immer wieder, wie zu Beginn noch eine erstaunlich sterile Stimmung herrscht. Menschen stehen in ihren Gruppen zusammen, kennen sich teils noch nicht, Gespräche kommen erst langsam in Gang. Und plötzlich passieren ein paar vollkommen unmögliche Dinge und fünf Menschen, die noch nie miteinander gesprochen haben, diskutieren darüber, wie zur Hölle das gerade funktioniert haben soll.

Ich finde diesen Gedanken so schön, weil wir gesellschaftlich schon genug Kräfte erleben, die uns auseinandertreiben möchten. Populistische (politische) Akteure, einflussreiche Medien und große Macht-, Kapital- und Interessenkonzentrationen profitieren davon, wenn gesellschaftliche Gruppen nicht mehr miteinander sprechen, sondern nur noch übereinander und Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse egal werden. Mein Beitrag dagegen ist winzig, das ist mir vollkommen klar. Ich bin Zauberkünstler. Aber wenn meine Arbeit für ein paar Minuten Menschen zusammenbringen kann, völlig unabhängig, woher sie kommen, wen sie lieben, wie sie aussehen oder welche vollkommen unterschiedlichen Lebensgeschichten sie mitbringen, dann finde ich das schon ziemlich toll.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Menschen respektvoll miteinander umgehen, Menschenwürde und gleiche Rechte nicht verhandelbar sind und demokratische Macht tatsächlich von den Menschen ausgeht und nicht davon, wer über besonders viel Geld, Einfluss oder Reichweite verfügt. Unterschiedliche Meinungen gehören dabei selbstverständlich zu einer Gesellschaft. Ich muss nicht mit jedem Menschen einer Meinung sein (…und das bin ich auch nicht!), um gemeinsam mit ihm oder ihr lachen oder staunen zu können. Wo Menschen allerdings abgewertet, ausgegrenzt, entrechtet oder ihnen sogar ihre Menschlichkeit abgesprochen wird, ist diese Grenze erreicht. Keine Toleranz für Intoleranz.

Entgegen den Klischees

Zauberkunst hat sich über Jahrzehnte und teilweise Jahrhunderte einige ziemlich merkwürdige Klischees erarbeitet. Der ältere Herr im Frack, daneben die deutlich knapper bekleidete Assistentin. Zuschauerinnen und Zuschauer, die auf die Bühne geholt werden, damit man auf ihre Kosten Witze machen kann. Menschen werden vorgeführt, weil der Zauberer am Ende schließlich der Cleverste im Raum sein muss.

Damit kann und möchte ich nichts zu tun haben, Respekt und Grenzachtung sind ein wesentlicher Bestandteil meiner Zauberkunst. In meinen Shows spielen Zuschauerinnen und Zuschauer immer wieder wichtige Rollen, aber das basiert auf Freiwilligkeit. Niemand wird vorgeführt, niemand muss sich zum Affen machen und ich mache keine Witze auf Kosten eines Zuschauers, nur um selbst einen billigen Lacher zu bekommen. Das Ganze passiert auf Augenhöhe oder so, dass Zuschauerinnen und Zuschauer die mitwirken, klar über mir stehen.

Das gilt genauso für die Tischzauberei. In der Walkaround-Zauberei bin ich durchaus frech, spreche Menschen aktiv an und versuche, Gruppen aus ihrer Komfortzone ein kleines bisschen herauszulocken. In meiner Wahrnehmung lebt diese Form der Zauberei davon. Aber wenn jemand wirklich keine Lust darauf hat, von mir unterbrochen und verzaubert zu werden, dann ist das vollkommen in Ordnung, ich zwinge mich niemandem auf.

Mein Anspruch an Zauberkunst

Ich bezeichne mich ziemlich bewusst als Zauberkünstler und verbinde damit auch einen gewissen Anspruch. Viele Zauberkunststücke kann man heute fertig kaufen und leider machen das viele meiner Kollegen auch. Trick, Requisiten, Text, teilweise sogar Witze und die komplette Dramaturgie werden mitgeliefert oder von anderen ungefragt übernommen.  Man muss das Ganze eigentlich nur noch einstudieren und möglichst genauso wiedergeben. Das Traurige daran ist: die meisten Zuschauer können das Ganze nicht erkennen. Schließlich ist der Kontakt mit einem Zauberer nichts Alltägliches. Und wenn man am Ende verblüfft ist, hat man häufig in der Wahrnehmung der Zuschauer als Zauberkünstler einen guten Job gemacht.

Ich habe in meinen Shows eine spürbar eigene Handschrift. Wenn ich mich mit einem klassischen Kunststück beschäftige, versuche ich, eine eigene Perspektive darauf zu entwickeln. Ich verändere Abläufe, Requisiten, Dramaturgie oder frage mich überhaupt erst einmal, warum ich dieses Kunststück zeigen möchte. Gleichzeitig entwickle ich immer wieder Tricks, Methoden und ganze Nummern selbst. Das dauert deutlich länger, ist häufig unnötig kompliziert und sorgt vermutlich auch dafür, dass meine Zauberkunst manchmal etwas chaotischer, etwas eigenartiger und nicht „weichgespült“ ist. Schließlich bleiben mir selbst die Shows am meisten in Gedächtnis, bei der ich das Gefühl habe, etwas Persönliches von dem Künstler oder der Künstlerin gesehen zu haben und zu spüren, dass er oder sie dafür brennt.

 

Charity-Veranstaltungen

Immer wieder erreichen mich Anfragen für Charity-Events und Veranstaltungen für gute Zwecke. Sehr häufig sind das Projekte, die ich uneingeschränkt unterstützenswert finde. Häufig fällt es mir ziemlich schwer, da Nein zu sagen. Trotzdem musste ich lernen, genau das zu tun.

Ich bin selbstständig und zaubere Hauptberuflich. Ich muss von meiner Arbeit meine Mieten bezahlen, mein Unternehmen finanzieren und am Ende genug verdienen, damit ich diesen Beruf langfristig ausüben und mich weiterentwickeln kann. Auch ein kostenloser oder stark vergünstigter Auftritt soll von mir nicht mit halber Kraft oder hingabe gespielt werden. Er benötigt Vorbereitung, Fahrtzeit, Material und Energie und soll am Ende die gleiche Qualität haben wie jeder andere Auftritt. Wenn ich zu viele solcher Veranstaltungen annehme, führt das irgendwann leider zu großem Stress und Überarbeitung.

Darum reserviere ich mir jedes Jahr bewusst ein Kontingent für kostenlose oder stark vergünstigte Charity-Auftritte. Welche Projekte ich dabei unterstütze, entscheide ich individuell. Natürlich spielen der Zweck einer Veranstaltung und meine persönliche Verbindung dazu eine Rolle. Sollten die Anfragen irgendwann deutlich mehr werden, als ich sinnvoll auswählen kann, halte ich sogar ein Losverfahren für denkbar. Wenn du also ein gemeinnütziges Event planst, freue ich mich sehr über deine Anfrage, hoffe aber auf dein Verständnis, falls mein Charity-Kontingent bereits ausgeschöpft ist.

Zauberkunst und Klimakrise

Dieses Thema hatte früher eine eigene Seite auf meiner Website und soll auch hier nicht verschwinden. Die Klimakrise scheint im öffentlichen Diskurs teilweise wieder an Relevanz zu verlieren. Ich finde das ziemlich erschreckend. Für mich ist sie ein sehr persönliches Thema und sicherlich auch ein Thema meiner Generation, aber selbstverständlich keines, das nur meine Generation betrifft.

Machen wir uns dabei nichts vor: Die Klimakrise ist ein globalpolitisches Problem. Ich bin kein großer Freund davon, die Verantwortung für ein systemisches Problem hauptsächlich auf einzelne Menschen und deren individuelle Konsumentscheidungen abzuwälzen. Die wirklich großen Hebel liegen bei politischen Entscheidungen und bei wirtschaftlichen Akteuren, die in ganz anderen Größenordnungen Einfluss auf Emissionen und Ressourcenverbrauch haben als einzelne Privatpersonen.

Das bedeutet für mich aber nicht, dass man deshalb einfach gar nichts machen sollte. Politische Entscheidungen fallen schließlich auch nicht im luftleeren Raum. Gesellschaftlicher Druck spielt eine Rolle. Menschen können laut sein, sich organisieren, wählen, demonstrieren und von Entscheidungsträgern verlangen, Entscheidungen in Größenordnungen zu treffen, die tatsächlich einen Unterschied machen. Und auch ich kann zumindest die Möglichkeiten nutzen, die ich habe. Privat beschäftigt mich das Thema sowieso. Warum also ausgerechnet in meiner Zauberkunst damit aufhören?

Hinter den Kulissen versuche ich deshalb, möglichst nachhaltig mit Material umzugehen. Ich verwende Dinge wieder, betreibe Upcycling, bewahre Materialien auf, aus denen später neue Kunststücke entstehen können, gebe alte Requisiten weiter und versuche neue Dinge so zu bauen, dass sie möglichst lange halten. Wenn möglich nutze ich recyceltes Druckmaterial oder kompensiere den CO2 ausstoß. Manches funktioniert besser als anderes. Gerade bei der Anreise zu Veranstaltungen ist der öffentliche Nahverkehr für mich beispielsweise leider nur selten eine realistische Lösung. Zuverlässigkeit, Veranstaltungszeiten und auch schlicht die Menge an Equipment setzen mir Grenzen.

Und natürlich kann ich noch vieles besser machen. Um einige Klimasünden komme ich nicht herum, oder ich bin ehrlicherweise trotz meines Klimabewusstseins nicht bereit dazu. Ich möchte auf keinen Fall, dass meine Kunst vollständig unter dem Gebot der Nachhaltigkeit leidet. So habe ich mich beispielsweise bewusst dazu entschieden, für die Zauber-Weltmeisterschaft 2022 um die halbe Welt zu fliegen. Eine umweltfreundliche Lösung war das ganz sicher nicht. Trotzdem war ich nicht bereit, auf diese gigantische künstlerische Möglichkeit zu verzichten.

Diese Widersprüche gehören für mich zur Ehrlichkeit dazu. Ich möchte hier nicht behaupten, ein perfekt nachhaltiger Künstler zu sein. Das bin ich nicht. Ich möchte lediglich versuchen, die Möglichkeiten, die mir meine Arbeit gibt, sinnvoll zu nutzen. Dazu gehört auch, dass ich seit 2023 Unternehmensmitglied beim NABU bin und regelmäßig nennenswerte Beträge an den NABU spende. Meine Zauberkunst ermöglicht mir damit Unterstützung in einer Größenordnung, die ich als Privatperson so kaum leisten könnte.

Auf der Bühne selbst bleibt mein Job trotzdem das Zaubern. Wenn ein Kunststück zufällig mit Upcycling, Klimaschutz oder saisonalem Gemüse zu tun hat, dann vor allem deshalb, weil daraus eine verdammt gute Nummer geworden ist. Ich werde auf deiner Veranstaltung keine Moralpredigt halten. Du buchst mich zum Zaubern, nicht zum Missionieren.

 

Wo ich nicht auftrete

Aus allem, was bisher auf dieser Seite steht, ergibt sich wahrscheinlich schon ziemlich gut, dass ich (bzw. mein Management) nicht jede Anfrage annehme. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, die politische Haltung des Publikums zu überprüfen. Bei einer öffentlichen Veranstaltung kann kommen und gehen, wer möchte. Ich weiß nicht, was jeder einzelne Mensch dort wählt, glaubt oder über irgendein gesellschaftliches Thema denkt, und ich kann und möchte das auch überhaupt nicht kontrollieren. Gerade Zauberkunst kann schließlich Menschen miteinander verbinden, die bei vielen Dingen vollkommen unterschiedlicher Meinung sind.

Anders sieht es aus, wenn bereits im Vorfeld klar erkennbar ist, dass eine Veranstaltung oder die dahinterstehende Organisation meinen grundlegenden Werten widerspricht. Bei Veranstaltungen mit erkennbarer Nähe zu Rechtsextremismus, Menschenfeindlichkeit, Diskriminierung oder Ausgrenzung trete ich nicht auf. Ich möchte solche Strukturen weder unterstützen noch durch meine Arbeit legitimieren und auch nicht mit ihnen assoziiert werden.

Eine schwarze Liste wirst du hier nicht finden. Die allermeisten Fälle sind ohnehin ziemlich eindeutig und in der Realität musste ich mich bisher nur sehr selten mit komplizierten Grenzfällen beschäftigen. Sollten sich irgendwann solche Grenzfälle häufen, könnte ich mir höchstens vorstellen, davon abzuweichen, wenn ich mich daran selbst nicht bereichere und eine entsprechende Gage stattdessen nutze, um Organisationen zu unterstützen, die genau gegen die problematischen Strukturen arbeiten. Grundsätzlich gilt aber: Manche Aufträge passen schlicht nicht zu mir. Auf solchen Events würde ich mit meiner direkten Art und meiner Offenheit eh die Stimmung kaum heben.

 

Zum Schluss

Wir als Gesellschaft bekommt genug angebliche Gründe geliefert, sich immer weiter auseinanderzubewegen. Wir erleben politische Akteure, die diese Spaltung für sich nutzen, „Debatten“, in denen nicht mehr miteinander gesprochen wird, Medienlogik, in der Empörung besser funktioniert als Differenzierung, und immer mehr Menschen, die bereit sind, für die eigene Erzählung auf Fakten zu scheißen.

Meine Zauberkunst soll das Gegenteil bewirken. Sie soll Menschen zusammenbringen, Gespräche auslösen, Brücken bauen und manchmal auch einfach dafür sorgen, dass wir für ein paar Augenblicke vergessen können, wie grauenhaft manche Teile dieser Welt gerade sind. Ich hoffe, ich überschätze nicht, was ein Zauberkünstler da erreichen kann. Aber für einen Abend können wir durch gute Zauberei mit Sicherheit gemeinsam lachen, rätseln und staunen.

Und dass Magie verbindet, ist doch schon ziemlich viel Wert.